Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder des BV Glas,
die wirtschaftliche Lage der Glasindustrie in Deutschland und Europa bleibt angespannt. Der erhoffte Aufschwung ist bislang ausgeblieben, und weitere Standortverluste in Deutschland zeigen, wie ernst die Situation ist.
Wir stehen immer noch vor großen strukturellen Herausforderungen. Die Energiekosten sind nach wie vor zu hoch und beeinträchtigen die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland erheblich. Umso wichtiger ist es, dass politische Maßnahmen gezielt entlasten. Der Industriestrompreis ist dabei grundsätzlich ein richtiger Ansatz, entfaltet bislang jedoch noch keine spürbare Wirkung für unsere Branche. Ein wichtiger Erfolg ist hingegen die Aufnahme der Sektoren Flachglas und Hohlglas in die Strompreiskompensationsliste, wofür sich der BV Glas intensiv eingesetzt hatte.
Immer noch beschäftigt uns die zukünftige Ausgestaltung der Netzentgelte. Die angestrebte stärkere Honorierung flexibler Stromabnahme steht im Gegensatz zu den realen Produktionsbedingungen unserer Industrie. Glas wird in vollkontinuierlichen Prozessen hergestellt, wodurch die Möglichkeiten zur Flexibilisierung sehr begrenzt sind. Der BV Glas hat hierzu eine Studie vorgelegt, die diese geringen Flexibilisierungspotenziale belegt. Auf dieser Grundlage stehen wir weiterhin im Austausch mit der Bundesnetzagentur.
Mit Blick auf die Umsetzung der Industrieemissionsrichtlinie (IED) in Deutschland sehen wir erheblichen zusätzlichen bürokratischen Aufwand. Die nationale Ausgestaltung geht in Teilen über die bereits herausfordernden europäischen Vorgaben hinaus („Goldplating“) und führt zu zusätzlichen Berichtspflichten und Verfahrenskomplexität, ohne dass ein entsprechender umweltpolitischer Mehrwert erkennbar ist. Hier setzen wir uns klar für eine praxistaugliche, verhältnismäßige Umsetzung ein, die den Transformationsprozess unterstützt statt hemmt.
Eine weitere zentrale Herausforderung ergibt sich aus dem Wirksamwerden der europäischen Verpackungsverordnung (PPWR) Mitte August. Aktuell bestehen noch etliche Unsicherheiten, wer welche neuen Anforderungen wie umzusetzen hat.
Neben diesen industriepolitischen Themen zeigt sich aber auch ein positives Signal aus dem Markt: Eine Umfrage des Aktionsforums Glasverpackung in Zusammenarbeit mit YouGov belegt, dass die überwiegende Mehrzahl der Verbraucherinnen und Verbraucher Produkte in Glasverpackungen bevorzugen. Eine positive Botschaft an die Hersteller in dieser herausfordernden Phase.
Gerade in diesen schwierigen Zeiten ist das Engagement der Mitgliedsunternehmen in der Verbandsarbeit von sehr hohem Wert. Mein besonderer Dank gilt daher allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sowie den Geschäftsführungen unserer Mitgliedsunternehmen, die sich aktiv einbringen, sowie dem Team der Geschäftsstelle des BV Glas. Sie alle tragen maßgeblich dazu bei, die Interessen unserer Branche wirkungsvoll zu vertreten.
