Düsseldorf, 20. Oktober 2026. Die deutsche Glasindustrie könnte ihre CO₂-Emissionen bis 2045 um bis zu 90,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2024 reduzieren. Das zeigt die aktualisierte Roadmap „Glass 2045 – Roadmap for the Decarbonisation of the German Glass Industry“, die der Bundesverband Glasindustrie e. V. (BV Glas) gemeinsam mit dem Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart erarbeitet hat. Die Studie, die im Jahr 2022 erstmals veröffentlicht wurde, berücksichtigt technologische Fortschritte bei der Glasherstellung, veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen sowie neue energie- und klimapolitische Entwicklungen.
Elektrifizierung gewinnt an Bedeutung – unterschiedliche Technologien bleiben notwendig
Ein zentrales Ergebnis der aktuellen Untersuchung: Einen einheitlichen Dekarbonisierungspfad für die gesamte Glasindustrie gibt es nicht. Vielmehr hängen die geeigneten Technologien – die Elektrifizierung der Glasschmelze, der Einsatz von Wasserstoff sowie hybride Produktionsverfahren – von den jeweiligen Produktionsverfahren, Standorten und infrastrukturellen Voraussetzungen ab. Insbesondere die Elektrifizierung hat an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig bleiben Wasserstoff und hybride Technologien wichtige Optionen, insbesondere dort, wo eine vollständige Elektrifizierung technisch oder wirtschaftlich nicht umsetzbar ist.
Milliardeninvestitionen für die Transformation erforderlich
Je nach untersuchtem Transformationspfad belaufen sich die kumulierten Investitionen auf Standortebene bis 2045 auf rund 3,8 bis 6,2 Milliarden Euro – ein erheblicher Betrag für eine Branche, die insgesamt aktuell rund 11 Milliarden Euro im Jahr umsetzt. Dabei sind weitere Investitionen in die erforderliche Energie- und CO₂-Infrastruktur in den Berechnungen noch nicht vollständig berücksichtigt.
BV-Glas-Hauptgeschäftsführerin Christiane Nelles kommentiert die aktuellen Ergebnisse: „Die Herausforderungen der Dekarbonisierung sind nicht nur technologischer Natur. Entscheidend ist, dass Unternehmen unter wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen investieren können. Dafür braucht es eine sichere und bezahlbare Energieversorgung, den Ausbau der Strom- und Wasserstoffinfrastruktur, verlässliche Förderinstrumente sowie wirksamen Carbon-Leakage-Schutz. Gerade für die energieintensive Glasindustrie sind langfristige Planungssicherheit und wirtschaftlich tragfähige Standortbedingungen unverzichtbar.“
Die vollständige Roadmap „Glass 2045“ steht hier zum Download bereit.
