19. April 2006
Glasindustrie trotz Umsatz-Rückgang optimistisch
Glasindustrie trotz Umsatz-Rückgang optimistisch – Neues Rücknahmesystem für Einwegflaschen stärkt Glas – Verband übt scharfe Kritik am Emissionshandel.
Die deutsche Glasindustrie blickt trotz Umsatz-Rückgängen im vergangenen Jahr optimistisch in die Zukunft. "Die Talsohle scheint erreicht zu sein", sagte der Präsident des Bundesverbandes Glasindustrie, Paul Neeteson, heute in Düsseldorf. Die Auslandsnachfrage ziehe wieder an, das Wirtschaftsklima in Deutschland zeige sich leicht verbessert und die Konsumbereitschaft der Verbraucher scheine sich zu erholen. Im vergangenen Jahr war der Umsatz der deutschen Glasindustrie nach Neetesons Angaben um insgesamt 4,0 Prozent auf 7,6 Milliarden Euro gesunken. Im Inland sank der Umsatz um 4,4 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro, im Ausland um 3,5 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Von den Einbußen waren nahezu alle Sektoren der Branche betroffen. Kräftige Zuwächse konnten allerdings die Flachglas-Hersteller verzeichnen. Als Ursachen nannte der Verbands-Präsident die höheren Renovierungsaktivitäten, die Ausweitung der Glasanwendungen und die angespannte Kapazitätslage in Europa für Basisflachglas. Die Zahl der Beschäftigten in der Glasindustrie sei aufgrund weiterer Produktivitätssteigerungen um 5,3 Prozent auf insgesamt 52.000 zurückgegangen, hieß es. Impulse für den inländischen Markt erwartet Neeteson zukünftig insbesondere vom neuen Rücknahmesystem für Einwegflaschen. Vom Handel habe es bereits deutliche Signale für eine neuerliche Listung von Glasflaschen gegeben, erklärte der Verbands-Präsident. "Wie aktuelle Studien belegen, bieten gerade Verpackungen aus Glas enorme Verkaufsvorteile und attraktive Margen. Außerdem finden neue Getränketrends in der Regel zuerst in Glas statt. Es liegt nicht im Interesse des Einzelhandels auf solche Produkt-Innovationen zu verzichten." Als Beispiele nannte der Verbands-Präsident Leichtbiere, Alcopops und Energy-Drinks sowie Kaffee- und Teemixgetränke.
Weitere positive Impulse für die Glasindustrie erwartet Neeteson vom energetischen Gebäudesanierungsprogramm der Bundesregierung. "Ohne den Einsatz der hochwertigen, energiesparenden Produkte der Glasindustrie im Gebäudebereich ist die Klimaverpflichtung der Bundesregierung aus dem Kyoto-Protokoll nur schwer zu erfüllen", betonte der Verbands-Präsident. "In diesem Zusammenhang gewinnen auch Photovoltaik und Solartechnologie für die Glasindustrie weiter an Bedeutung." Im Ausland seien deutsche Firmen schon maßgeblich an verschiedenen Solar-Projekten beteiligt. So habe die Schott AG 19.300 Solar-Receiver für ein 64-Megawatt-Sonnenkraftwerk in der Wüste von Nevada geliefert, das im Sommer kommenden Jahres an Netz gehen und 40.000 Haushalte mit Strom versorgen werde. "Im Zukunftsträchtigen Markt der Solartechnologie haben sich Produkte 'Made in Germany' international einen ausgezeichneten Ruf erworben", sagte Neeteson. Scharfe Kritik übte der Verbands-Präsident erneut am europäischen Emissionshandel, der nach wie vor eine Wachstumsbremse für die Glasindustrie sei. Die Branche habe nahezu alle energetischen Einsparpotenziale ausgeschöpft, erklärte Neeteson. Nun bliebe nur noch die Produktion zurückzufahren oder weitere Zertifikate hinzuzukaufen. "Beides kann nicht der Sinn des Emissionshandels sein." Zudem würden die Glashütten unter den hohen Energiepreisen leiden, die im Laufe des vergangenen Jahres enorm gestiegen sind. Die Zunahme beim Industriestrom betrug in diesem Zeitraum etwa 37 Prozent. Damit steht Deutschland im EU-Vergleich bei den Preisen an dritter Stelle. Beim Erdgas, mit einem Anteil von 65 Prozent der bedeutendste Energieträger der Glasindustrie, sei der Wettbewerbsnachteil noch gravierender. "Die deutschen Gaspreise sind europaweit die höchsten", beklagt Neeteson die ungünstigen Rahmenbedingungen für die Glasindustrie.
Über den Bundesverband Glasindustrie e.V.
Der Bundesverband Glasindustrie e.V. vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen der Glas herstellenden Industrie in Deutschland. Dazu zählen die Bereiche Flachglas, Behälterglas, Spezialglas sowie Glasbearbeitung und -veredelung. Der Branche gehören 320 Betriebe mit circa 50.000 Beschäftigten an. Der Gesamtumsatz betrug 2009 rund 7,5 Milliarden Euro.
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Dorothée Richardt, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Bundesverband Glasindustrie e.V.,
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