20. Oktober 2008
Deutsche Glasindustrie verzeichnet positive Entwicklung
Umsatz stabilisiert sich im 1. Halbjahr 2008 auf hohem Niveau - BV Glas fordert weiterhin freie Zuteilung von Emissionszertifikaten für die energieintensiven Industrien.
Die Glas produzierende Industrie in Deutschland blickt auf ein gutes Jahr 2007 zurück. So konnte sie im vergangenen Jahr ihr stärkstes Wachstum seit der deutschen Wiedervereinigung verzeichnen. Der Umsatz erhöhte sich um 11,9 Prozent. Die Umsatzsteigerungen haben sich auch erfreulich auf die Zahl der Beschäftigten ausgewirkt, die um 7,2 Prozent anstieg.
Im ersten Halbjahr 2008 hat sich der Wachstumskurs der Glasindustrie in Deutschland auf hohem Niveau stabilisiert, ohne jedoch die Dynamik des Vorjahrs aufzuweisen. So steigerte sich der Umsatz der Gesamtbranche im ersten Halbjahr 2008 um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 4,34 Milliarden Euro. Mit Sorge beobachten die Unternehmen die aktuelle Finanzkrise, deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und damit auch auf die Glasindustrie zurzeit noch nicht absehbar sind.
Zusätzlich belastet wird die Branche durch die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise. Besonders in der Behälterglasindustrie ist Altglas als begehrter Sekundärrohstoff knapp und teuer.
Wachstumsbremse Emissionshandel
Ein Hemmnis für das Wachstum der deutschen Glasindustrie als energieintensive Industrie ist auch das Vorhaben der Europäischen Kommission zum CO2-Emissionshandel, das – sollte es wie geplant umgesetzt werden – allein bei der Glasindustrie in Deutschland zu Mehrkosten von geschätzten 257 Millionen Euro pro Jahr führen würde. "Sollte der Emissionshandel wie geplant umgesetzt werden, so hat die Glasindustrie mit hohen Belastungen zu kämpfen", erklärt Paul Neeteson, Präsident des Bundesverbands Glasindustrie e.V. (BV Glas) und der glasstec 2008. "Der Kostenaufwand für die Ersteigerung der Emissionshandelszertifikate würde die Gewinne der Industrie aufzehren und eine Produktion in Deutschland unrentabel machen."
Einsatz für den Klimaschutz
Als energieintensive Branche hat sich die deutsche Glasindustrie in der Vergangenheit stets ihrer Verantwortung zum Klimaschutz gestellt. Im Rahmen der CO2-Selbstverpflichtung kann sie z. B. beachtliche Erfolge bei der Minderung der CO2-Emissionen und der Steigerung der Energieeffizienz vorweisen. Nach wie vor setzen die Glas herstellenden Unternehmen in Deutschland beim Produktionsprozess auf Maßnahmen, die zwei Ziele haben: Energie einzusparen und Emissionen zu senken. So investiert die deutsche Glasindustrie jährlich bis zu 250 Millionen Euro in die Modernisierung der Schmelzwannen. Zusätzlich leistet die Branche auch durch ihre Produkte wie z. B. Isoliergläser, Wärmedämmstoffe, Module für Photovoltaikanlagen sowie Spiegel und Receiver für Solarthermische Kraftwerke einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz: "Die CO2-Reduktion durch die Nutzung dieser Produkte übertrifft bei Weitem die beim Produktionsprozess entstehenden CO2-Emissionen", unterstreicht Neeteson.
Leistungsspektrum Glas
Dank der Innovationskraft des Werkstoffs entwickelt die deutsche Glasindustrie kontinuierlich neue Produkte, erforscht zukunftsweisende Anwendungsbereiche und steigert damit ihre Chancen auf dem Weltmarkt. Besonders Spezialgläser mit ihren variablen Hightech-Funktionen sind Beispiele für das außerordentliche Potenzial des enorm wandlungsfähigen Materials Glas. "Spezielle Oberflächenbeschichtungen, die beispielsweise Glas reflexionsarm, antibakteriell oder Schmutz abweisend gestalten, werden künftig nicht nur beim Architekturglas, sondern auch in vielen anderen Anwendungsbereichen eingesetzt. Moderne Beschichtungen erlauben so auch in der Behälterglasindustrie die Herstellung von Produkten mit herausragender Kratzfestigkeit, besonderer Etikettenhaftung und einem exzellenten UV-Schutz", erläutert Neeteson. Besonders im Pharma- und Kosmetikbereich sind Spezialverpackungen aus Glas sehr gefragt. Die entsprechenden Glasbehälter und Spritzensysteme erfüllen dabei höchste Qualitätsanforderungen.
Zukunftsmärkte der Glasindustrie
Gerade vor dem Hintergrund der steigenden Energiepreise wird deutlich, wie wichtig es ist, Energie zu sparen und alternative Energieressourcen zu erschließen. So wird durch die steigenden Preise für Erdöl und Erdgas und die zunehmende Verknappung fossiler Brennstoffe die Bedeutung alternativer Energien weiter zunehmen. Photovoltaik und Solarthermie sind wichtige Zukunftsmärkte für den Werkstoff Glas. Sie stehen zusammen mit anderen Maßnahmen zum Klimaschutz im Mittelpunkt der diesjährigen glasstec.
Ein innovatives Beispiel für Glasanwendungen sind beispielsweise Dünnschichtmodule für Photovoltaikanlagen, die im Vergleich zu herkömmlichen Modellen wesentlich weniger oder gar kein Silizium mehr benötigen. Bei einem der Verfahren wird eine Siliziumschicht auf die Module so fein aufgebracht, dass der Film transparent wirkt, bei einem anderen benutzt man Kupfer-, Indium- und Selendünnschichten (CIS-Technologie). Beide Modularten lassen sich anschließend in Fenster-, Dach-, oder Fassadenverglasungen integrieren und verbinden so ansprechende Architekturlösungen mit umweltfreundlicher Stromerzeugung.
Ein weiterer sehr erfolgversprechender Zukunftsmarkt sind solarthermische Kraftwerke. Dabei konzentrieren beispielsweise parabolisch geformte Spiegel die einfallende Sonnenstrahlung auf Solarreceiver. Die speziell beschichteten Edelstahlrohre mit einer Hülle aus Spezialglas sind das Herzstück der Anlage. Sie wandeln die Sonnenstrahlung in Wärme um.
Auch hochwärmedämmende Multifunktions-Isoliergläser sorgen ebenso wie schaltbare Gläser und lichtlenkende Funktionsgläser für eine effektive Einsparung von Energie und verringern so den CO2-Ausstoß.
Besuchen Sie uns auf der glasstec 2008:
Halle 11, Stand: 11 G 33.
Anhang zur Pressemitteilung vom 20.10.2008
Position des BV Glas zum Thema Emissionshandel
Nach einem Vorschlag der EU-Kommission sollen Unternehmen künftig die Rechte für den Ausstoß von Treibhausgasen ersteigern. Das verarbeitende Gewerbe müsste demnach für seine Produktionsanlagen im Jahr 2013 zunächst 20 Prozent der benötigten Emissionsrechte erwerben. Bis 2020 ist geplant, diesen Auktionsanteil für die Industrie schrittweise auf 100 Prozent anzuheben. Aus der Versteigerung entstehen Kosten in Millionenhöhe, und das auf zweierlei Weise: Die Unternehmen müssten künftig die Emissionsrechte selbst ersteigern, und sie müssten zusätzlich deutlich mehr Geld für Strom bezahlen. Denn die Energieversorger reichen die Kosten für die von ihnen ersteigerten Zertifikate über den Strompreis an ihre Kunden weiter. Die energieintensiven Industrien können das nicht: Sie konkurrieren mit nicht-europäischen Wettbewerbern, die keinen vergleichbaren Klimaschutzvorgaben unterliegen und diese Kosten daher nicht haben.
Forderungen des BV Glas
Was die Verbesserung der Energieeffizienz und die Emissionsreduktion angeht, hat die Glasindustrie ihr Limit erreicht. Damit die für den Wirtschaftsstandort Deutschland, aber auch für den Klimaschutz so wichtige Glasindustrie durch den Emissionshandel nicht nachhaltig geschädigt wird, lehnt der BV Glas daher eine kostenpflichtige Versteigerung der Emissionshandelszertifikate grundsätzlich ab. Vielmehr fordert der Verband eine freie Zuteilung für die Glas produzierenden Unternehmen auf Basis von EU-weiten, brennstoffspezifischen Standards, die sich am aktuellen Stand der umweltfreundlichen Produktionstechnik orientieren und nicht physikalisch Unmögliches fordern. Auch darf die Planungssicherheit für die Unternehmen durch den Emissionshandel nicht gefährdet werden. Zwar erwägt die EU-Kommission, den im internationalen Wettbewerb stehenden energieintensiven Branchen die Emissionsrechte zu einem gewissen Anteil frei auszuhändigen, es ist jedoch völlig unklar, welche Betriebe in welchem Umfang entlastet werden. "Der durchschnittliche Investitionszyklus in der Glasindustrie beträgt 15 Jahre. Es ist daher nicht hinnehmbar, wenn die EU-Kommission erst 2010 oder später entscheiden will, welchen Branchen sie als Kompensation für die Existenz gefährdende Belastung durch kostenpflichtige Emissionshandelszertifikate ausgleichende Maßnahmen zugute kommen lässt", verdeutlicht BV Glas-Präsident Paul Neeteson. Er betont: "Hier sind die Politiker in den nächsten Wochen und Monaten gefordert, mit ihren Entscheidungen die Weichen für eine weiterhin erfolgreiche Zukunft der Glasindustrie in Deutschland zu stellen."
Kontakt:
- Christiane Müller, Energiereferentin, Bundesverband Glasindustrie e.V., Tel.: 0211.4796-146, Mail: mueller@bvglas.de
- Dr. Johann Overath, Hauptgeschäftsführer, Bundesverband Glasindustrie e.V., Tel.:0211.4796-332, Mail:
Über den Bundesverband Glasindustrie e.V.
Der Bundesverband Glasindustrie e.V. vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen der Glas herstellenden Industrie in Deutschland. Dazu zählen die Bereiche Flachglas, Behälterglas, Spezialglas sowie Glasbearbeitung und -veredelung. Der Branche gehören 320 Betriebe mit circa 50.000 Beschäftigten an. Der Gesamtumsatz betrug 2009 rund 7,5 Milliarden Euro.
Kontakt:
Dorothée Richardt, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Bundesverband Glasindustrie e.V.,
Tel.: 0211.4796-331, Mail: richardt@bvglas.de


