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9000 Jahre Glas – die Geschichte des Werkstoffes

Der Werkstoff Glas blickt auf eine neuntausendjährige Geschichte zurück. Anders als Bronze oder Eisen hat der Werkstoff keiner Epoche der Weltgeschichte seinen Namen gegeben. Aber Glas hat aus urzeitlichen Anfängen über Handwerk und Manufaktur den Weg in die industrielle Fertigung gefunden. Heute ist der Werkstoff, der in sich jede Menge Innovationskraft birgt, aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken.

7000 v. Chr.

Erste Verwendung des natürlichen Glases, Obsidian, für Bohrer, Schaber oder Keile.

Glas ist einer der ältesten Werkstoffe überhaupt. Wann Glas zum ersten Mal hergestellt wurde, ist ungeklärt. Die ältesten Funde reichen zurück bis in die Steinzeit um 7000 v. Chr. In Ägypten begann etwa 3000 v. Chr. die organisierte Fertigung von Glas in Form von Schmuckstücken und kleinen Gefäßen.

 

1500 v. Chr.

Glas wird zu Gefäßen verarbeitet, indem man Glasstäbchen um einen porösen Keramikkern wickelt. Später wird der Kern herausgekratzt.

Ab 1500 v. Chr. gelang in Ägypten erstmals die Herstellung von Hohlglas als Salben- und Ölbehälter.

 

100 v. Chr.

Um 100 v. Chr. wird die Glasmacherpfeife erfunden. Dies ist der Beginn der Herstellung von größeren Gefäßen. Besonders beliebt: Behälterglas sowie Karaffen und in der Spätantike Trinkgläser.

Eine Revolution erlebte die Produktion mit der Erfindung der Glasmacherpfeife vor 2.000 Jahren. Jetzt konnten auch dünnwandige Gläser hergestellt und beliebig geformt werden. 100 Jahre später gelang in Ägypten erstmals die Schmelze von farblosem Glas. Durch das Erreichen höherer Temperaturen wurde auch die Glasqualität gesteigert, und es entstanden luxuriöse Gläser mit aufwändigen Dekoren.

 

11. Jhd.

Im 11. Jhd. wird Venedig zum Vorreiter und Mittelpunkt der europäischen Glastradition. Die Flaschenmacher und das mit ihnen verbundene Renaissance-Glas werden berühmt.

Im Mittelalter entwickelte sich Venedig zum Mittelpunkt abendländischer Glasmacherkunst, die hier vom 15. bis 17. Jhd. ihren Höhepunkt erreichte. Erste Glasmacher finden sich in den venezianischen Registern um 11. Jhd. Sie werden "phiolarius", Flaschenmacher, genannt. Heute gibt es nur noch sehr wenige authentisch venezianische Renaissance-Glas-Funde.

 

12. Jhd.

Im 12. Jhd. wird das Fensterglas erfunden. 1330 wird nach dem Prinzip des Mondglases, das auch Butzenglas genannt wird, Fensterglas hergestellt.

Mit der Gotik im 12. Jahrhundert wurde auch das Fensterglas erfunden. 1330 entwickelte ein Glasmacher in Rouen (Frankreich) das Prinzip des Mondglases, das später auch Butzenglas genannt wurde. Eine vorgeblasene Kugel wurde durch Drehen zu einem Teller geformt. Nur das Mittelstück, ca. 10–15 cm, wurde als Scheibe benutzt.

 

1688

Das Walzverfahren wird zum ersten Mal 1688 in Saint Gobain dokumentiert.

Bei diesem Verfahren wird geschmolzenes Glas auf den Walztisch gegossen, verteilt und schließlich gewalzt. Mit diesem Verfahren ließ sich eine gleichmäßige Dicke des Glases erzielen. Ein weiterer Vorteil: Erstmals waren Scheibengrößen von 40 x 60 Zoll möglich, was ideal für die Produktion von Spiegeln war. Probleme bereitete jedoch immer noch die ungleichmäßige Oberfläche.

 

18. Jhd.

Im 18. Jhd. entwickelte sich in Deutschland das barocke Schnittglas, bei dem Motive in das Glas geritzt werden. Dies ermöglicht eine Individualisierung des Glases.

In Deutschland lief das barocke Schnittglas dem venezianischen Glas im 18. Jahrhundert den Rang ab. Die Glasmacher in Venedig beherrschten die Kunst des Glasschnitts und Glasschliffs nicht. Das Fortschrittliche des barocken Schnittglases waren die eingeschnittenen Bildszenen. Die Motive waren vielseitig. So wurden z. B. Jagdszenen, Landschaften und allegorische Figuren abgebildet.

 

1900

Um 1900 entwickelte John Lubbers ein Verfahren zur Glaszylinderfertigung.

Diese Glaszylinder konnten einen Durchmesser von 80 cm erreichen und waren bis zu 8 m hoch. Der Glaszylinder wurde aufgeschnitten und geplättet. Das Verfahren war jedoch sehr umständlich, insbesondere das Umlegen der Zylinder in die Horizontale bereitete Schwierigkeiten.

 

1903

1903 gelang dem Amerikaner Michael J. Owens die Automatisierung des Flaschenblasens.

Dadurch konnte die Flaschenproduktion um ein Vielfaches gesteigert werden. In Deutschland wurde die Owens-Maschine erstmals 1908 eingesetzt.

 

1904

1904 erfand Emile Fourcault das nach ihm benannte Fourcault-Verfahren zur Ziehglasherstellung.

Ein weit reichendes Patent zur Flachglasherstellung sollte 1904 von Emile Fourcault folgen: das nach ihm benannte Fourcault-Verfahren zur Ziehglasherstellung. Das gezogene Glas hatte jedoch einen Nachteil: Seine Oberfläche war leicht gewellt und man erkannte die Ziehrichtung des Glasbandes aus dem Ofen („Ziehstreifen“).

 

1917

1917 kommt das Libbey-Owens-Verfahren zur industriellen Anwendung, die Glasproduktion steigt um das Vierzigfache.

Der Amerikaner Colburn entwickelte eine Methode, die seit 1917 unter dem Namen Libbey-Owens-Verfahren bekannt ist. Colburn verwendete im Gegensatz zu Fourcault keine Ziehdüse. Stattdessen wird bei dem von ihm entwickelten Verfahren das Glas mit einer Fangvorrichtung direkt aus der Wanne gezogen. Nach einem Weg von ca. 70 cm läuft das noch weiche Glasband dann über eine polierte Stahlwalze, wird in die Horizontale umgelenkt und durchläuft anschließend den Kühlkanal. Auf diese Weise ließen sich Ziehstreifen und -wellen, wie sie durch die Ziehdüse des Fourcault-Verfahrens entstanden, vermeiden. Das Glasblasen wurde technisiert. Die Produktion stieg damit um ein Vierzigfaches.

 

1923

Der Belgier Roirant entwickelt 1923 einen Vollautomaten zum Flaschenblasen.

1923 stellte der Belgier Emile Roirant die ersten europäischen Vollautomaten zum Flaschenblasen her, die sich auch zur Produktion kleinerer Serien eigneten.

 

1970

1970 wird die erste elektronisch gesteuerte Maschine bei der Glasproduktion eingesetzt.

Nach 1945 wurde die automatische Flaschenproduktion immer weiterentwickelt. Ab 1970 kamen auch elektronisch gesteuerte Maschinen auf den Markt.

 

Heute

Heute wird Glas in vielen verschiedenen Branchen verwendet. Die neuesten Entwicklungen sind Glas als Baustoff, als Glasfaser in der Kommunikationstechnologie und bei Solaranlagen. Auch bei Displays oder Halbleitern ist Glas eine der wichtigsten Komponenten.

Als fester Bestandteil unseres Lebens spielt Glas heutzutage im Alltag, in Forschung und Wissenschaft, in der modernen Architektur sowie in Zukunftsbranchen eine zentrale Rolle. Mit modernster Technik und Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Untersuchungen entwickelt die Glasindustrie immer wieder neue Anwendungsmöglichkeiten. Die neusten Entwicklungen sind Glas als Baustoff. So kommen z. B. in der Architektur immer mehr großflächige Glasfassaden zum Einsatz. Glas wird außerdem als Dämmmaterial in Form von Mineralfaserdämmstoffen gebraucht, in der Kommunikationstechnologie als Glasfaser für Lichtwellenleiter bei Telefonaten oder Fernsehsendern, und bei Solaranlagen trägt Glas zur regenerativen Energietechnik bei. Auch bei Displays oder Halbleitern ist Glas eine der wichtigsten Komponenten.

 

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